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Buchhandlung Weltbühne
Stand: 8.8.2018

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Neu & aktuell

Bücher, die in den letzten Wochen eingetroffen sind: eine Auswahl



Hasnain Kazim: Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte. Penguin 2018. 272 S. (NB1412) 10 Euro
"... dann zeige ich dir, was ein ECHTER DEUTSCHER ist!!!": Was man sich als Journalist mit fremd klingendem Namen alles anhören muss. Von einem SPIEGEL-ONLINE-Journalisten mit großer Fangemeinde im Netz. Mit Charme und Schlagfertigkeit gegen deutsche Überheblichkeit und Fremdenhass.
Wie man gekonnt auf Hassmails antwortet. Täglich bekommt Hasnain Kazim hasserfüllte Leserpost. Doch statt die Wutmails einfach wegzuklicken, hat er beschlossen, zurückzuschreiben – schlagfertig, witzig und immer wieder überraschend. Dieses ebenso unterhaltsame wie kluge Buch versammelt seine besten Schlagabtäusche mit den Karlheinzen dieser Welt und beweist, warum man den Hass, der im eigenen Postfach landet, nicht unkommentiert lassen sollte. Denn, wie Hasnain Kazim schreibt: "Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!"

Jutta Ditfurth: Rudi Dutschke und Ulrike Meinhof. Geschichte einer politischen Freundschaft. konkret texte 2018 (überarbeitete Neuausgabe). 166 S. (NB1405) 18,00 ¤
Dieses Buch ist eine kleine Geschichte der ‘68er, der außerparlamentarischen Opposition (Apo) am Beispiel der Freundschaft von Ulrike Meinhof und Rudi Dutschke. Wer waren diese Oppositionellen, deren 50 Jahre alte Revolte heute noch einen so unbändigen Hass bei der politischen Rechten auslöst? Nazis hetzen gegen die "linksversiffte ‘68er-Republik" ohne die es keine "gebrochene Selbstwahrnehmung des deutschen Volkes" gäbe.
Als sich die Journalistin Ulrike Meinhof 1967 mit Rudi Dutschke anfreundet, hat sie eine Kindheit im NS-Faschismus und die politisch harten 1950er Jahre hinter sich. Die außerparlamentarische Opposition (Apo) macht ihr große Hoffnung. Für Rudi Dutschke ist
"unsere kleine Kulturrevolte" der erste Aufbruch: "Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat, eine Welt, die sich auszeichnet, keinen Krieg mehr zu kennen, keinen Hunger mehr zu haben, und zwar in der ganzen Welt. Das ist unsere geschichtliche Möglichkeit".



Rudi Dutschke: Geschichte ist machbar. Texte über das herrschende Falsche und die Radikalität des Friedens. Mit einem Nachwort von Jürgen Miermeister. Verlag Klaus Wagenbach, Reihe Politik 2018. 128 S. mit vielen Abbildungen. (NB 1407) 10 Euro
Rudi Dutschkes Aufsätze, Reden und Tagebuchnotizen stellen Authentisches gegen die späteren Einengungen der Revolte von 1968 und zeigen den Jüngeren, was diese Revolte wirklich war. Das verbreitete Vorurteil kennt Rudi Dutschke allein als Aktivisten der Jahre 1966 bis 1968, in den Jahren danach abgetan, nach seinem Tod scheinheilig anerkannt.
Dieser Band, von Dutschke selbst geplant, zeigt den intellektuellen und den politischen Weg dieses eigenständigen Denkers zwischen zwei deutschen Staaten und vielen Dogmatismen: von der Unangepasstheit des jungen Christen in der DDR bis zu den Versuchen, theoretisch und politisch auf eine resignierende oder sektiererisch zerfallende Linke einzuwirken.Die hier gesammelten Texte sind seltene Dokumente, die weit über den Kontext der 68er Bewegung hinausreichen. Heute, in Zeiten politischer Entsolidarisierung, verdienen sie es, wiedergelesen zu werden. Der Band wird ergänzt um bisher unveröffentlichte Texte, Faksimiles und Fotos aus dem Nachlass.
Rudi Dutschke, geboren 1940 in Schönfeld in der Mark Brandenburg, ging kurz vor dem Mauerbau in den Westen und begann 1961 ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin. Ab 1963 war er in der
"Subversiven Aktion", ab 1965 im Sozialistischen Deutschen Studentenbund engagiert. Als Sprecher und Symbol der APO organisierte er beispielsweise den Internationalen Vietnam-Kongress in Berlin mit. Zahlreiche Schriften wurden veröffentlicht, seine Doktorarbeit zu Lukács erschien bei Wagenbach. Er starb 1979 in Aarhus an den Spätfolgen eines Attentats, das im April 1968 auf ihn verübt worden war.



Peter Brückner: Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil, Mitläufer. Mit einem Nachwort von Barbara Sichtermann. Verlag Klaus Wagenbach 2018 (Reihe Politik). 128 S. (NB1407) 10 Euro
Eine Auswahl der wichtigsten Texte Peter Brückners.
Peter Brückner, Antifaschist und nach Kriegsende Mitglied der KPD, wurde 1972 und 1977 wegen des Vorwurfs von Kontakten zur RAF sowie der Herausgabe des anonymen "Mescalero"-Textes "Buback. Ein Nachruf" von seinem Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Hannover suspendiert.
Seine politisch-psychologischen Analysen sind ein Zeugnis für die Streitbarkeit der 68er. Diese Auswahl zeigt aber auch, dass Brückners Positionen durch ihre begriffliche und intellektuelle Schärfe noch heute große Schlagkraft besitzen und neuralgische Punkte auch demokratischer Gesellschaften treffen: Vorurteil, Mitläufertum, Zivilcourage, Gehorsam.
Peter Brückner wurde 1922 in Dresden geboren. Seit 1939 hatte er Kontakte zu Antifaschisten und Kommunisten, die er auch beibehielt, nachdem er 1941 nach Wien eingezogen worden war. Nach Kriegsende wurde er Mitglied der KPD, übersiedelte 1948 zunächst nach Westberlin, dann nach Münster, wo er sein Psychologiestudium mit der Promotion abschloss. Nach einiger Zeit im sozialpädagogischen Bereich wandte er sich der Sozialpsychologie zu, machte eine Ausbildung zum Psychoanalytiker und übernahm 1967 den Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Hannover. 1972 und 1977 wurde er von seinem Dienst suspendiert, zum einen wegen des Vorwurfs von Kontakten zur RAF, zum anderen wegen der Dokumentation und Herausgabe des indizierten Textes
"Buback – ein Nachruf", der anonym unter dem Namen "Mescalero" erschien. Kurz nach Aufhebung der disziplinarischen Maßnahmen starb Brückner 1982 in Nizza.



Erich Fried: und Vietnam und. Gedichte. Mit einer Chronik und einem Nachwort von Klaus Wagenbach. Verlag Klaus Wagenbach 2018 (Neuausgabe), Reihe "Politik". 96 S. Broschiert mit Umschlag. (NB1409) 10 Euro
Frieds erstes Buch bei Wagenbach, dessen Titel Martin Walser "die Zeile des Jahrhunderts" nannte, machte politische wie literarische Geschichte.
und Vietnam und – das sind Elegien, Sprüche, Maximen, Proteste gegen einen amerikanischen Krieg im Namen der Freiheit, der zum Trauma nicht nur einer Nation, sondern einer ganzen Generation wurde. Es sind "engagierte" Gedichte, die neue lyrische Formen erfanden. Diese damals ungewohnte Hineinnahme des lyrischen Ich ins politische Handgemenge blieb nicht ohne Folgen. Obwohl dem Buch – auch das ungewohnt – eine "Chronik" der Fakten des Krieges beigegeben worden war, wurde es zu einem höchst »umstrittenen«.



Anne Wiazemsky: Paris, Mai ’68. Ein Erinnerungsroman. Aus dem Französischen von Jan Rhein. Verlag Klais Wagenbach 2018 (Reihe SALTO). 168 S. Fadengeheftet. Rotes Leinen. Gebunden mit Schildchen und Prägung. (NB1410) 18 Euro
Für die junge Schauspielerin ist alles neu: ihre plötzliche Berühmtheit und die Ehe mit Jean-Luc Godard, die Welt ihres Mannes und die Themen, die Studenten, Arbeiter und Intellektuelle auf die Barrikaden treiben.
Januar 1968. Das frisch verheiratete Paar Godard-Wiazemsky bezieht sein »Liebesnest« im Pariser Quartier Latin. Godard ist siebenunddreißig, Wiazemsky zwanzig Jahre alt. Als im Mai die Revolte losbricht, verfolgt Anne das mit Sympathie und Interesse, ohne selbst politisiert zu werden. Sie steht mit Jacques Brel vor der Kamera und nimmt gelegentlich auf Rollschuhen an den Demonstrationen teil. Anne Wiazemsky erzählt von Dreharbeiten in Italien oder von der Rückreise aus Cannes mit Gilles Deleuze, von ihrem Jugendfreund Daniel Cohn-Bendit und von der Begegnung mit den Beatles in London, wo Paul McCartney sie auffordert, mit ihm unterm Tisch Tee zu trinken. Während sie ihre Jugend und den neuen Ruhm genießt, erwachsener wird und sich befreit, radikalisiert sich Godard zusehends. Er träumt von einem revolutionären Kino und wird zugleich krankhaft eifersüchtig auf seine junge Frau.
Nach dem erfolgreichen Roman »Mein Berliner Kind« erscheint nun dieses spannende, subjektive Erinnerungsbuch voller Anekdoten – ein authentisches Zeugnis der 68er-Aufstände in Frankreich und eine berührende Liebesgeschichte.



Katharina Picandet (Hg.): 1968 – Bilder einer Utopie. Ein Album. Edition Nautilus. 112 S. im Großformat. Mit Schutzumschlag, durchgehend illustriert. (NB1403) 24 Euro.
"1968" ist längst zur Chiffre geworden. Mit Parolen wie "Arbeitet nie!", "Verbieten ist verboten" oder "Nehmt eure Wünsche für die Wirklichkeit" ist der Mai ‘68 verheißungsvoll utopisch gestartet. Heute, ein halbes Jahrhundert später, darf man die Frage stellen, was von dieser Utopie bewahrenswert ist, bewahrt wurde, vielleicht verloren gegangen ist. Anhand ikonischer oder unbekannter Objekte, Bilder und Momente der Utopie "1968" erinnern sich die Autorinnen und Autoren aus dem Umfeld des Verlags an die Ereignisse vor 50 Jahren: Von der Fliegerjacke der Black Panther über heute noch im widerständischen Einsatz befindliche Traktoren, Angela Davis’ Frisur und Uwe Nettelbecks Glossen bis hin zu Nachbeben im Punk und der Politik der Re-Education: 1968 wirkt vielfältig weiter.
"1968 – Bilder einer Utopie" ist ein persönliches, mitreißendes utopisches Album, mit Beiträgen von
Michèle Bernstein, Wolfgang Bortlik, Lutz Dammbeck, Hans-Christian Dany, John Jordan, Isabelle Fremeaux, Annett Gröschner, Stewart Home, Jan Kuhlbrodt, Hanna Mittelstädt, Roberto Ohrt, Mithu M. Sanyal, Jochen Schimmang, Peter Wawerzinek.
Katharina Picandet, geboren 1974 in Hannover, frühkindliche Bildung im antiautoritären Kinderladen, viel später Studium der Deutschen Sprache und Literatur, Geschichte und Philosophie in Hamburg und Bordeaux. Seit 1996 Mitarbeit bei Edition Nautilus; seit 2003 im Lektorat. Seit 2016 ist Katharina Picandet Verlegerin der Edition Nautilus.



Deniz Yücel: Wir sind ja nicht zum Spaß hier. Reportagen, Satiren und andere Gebrauchstexte. Vorwort von Doris Akrap. Edition Nautilus 2018. 224 S. (NB1401) 16 Euro
"Dieser Ort", schreibt Deniz Yücel im Februar 2017 aus dem Polizeigewahrsam in Istanbul, "hat keine Erinnerung. Alle, die ich hier kennengelernt habe – kurdische Aktivisten, Makler, Katasterbeamte, festgenommene Richter und Polizisten, Gangster – alle haben mir gesagt: 'Du musst das aufschreiben, Deniz Abi.' Ich habe gesagt: 'Logisch, mach ich. Ist schließlich mein Job. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.'"
Seinem Job als Journalist konnte er seither nicht nachgehen. Denn er saß in der Türkei in Untersuchungshaft – davon neun Monate in einer Einzelzelle.
In mühsamer Kommunikation über seine Anwälte und kuratiert von der Journalistin Doris Akrap hat er eine Auswahl aus seinen Texten aus den vergangenen 13 Jahren zu einem ebenso klugen wie unterhaltsamen und in jeder Hinsicht abwechslungsreichen Buch zusammengestellt – Reportagen, Satiren, Polemiken, Kommentare, Glossen und andere "Gebrauchstexte aus dem Handgemenge". Außerdem gibt es zwei Stücke, die er im Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr. 9 hierfür verfasst hat, sowie einen Beitrag seiner Frau, der Fernsehproduzentin und Lyrikerin Dilek Mayatürk Yücel.



Uwe Soukup: Der 2. Juni 1967. Ein Schuss, der die Republik veränderte. Transit Verlag 2017. 192 Seiten, gebunden mit zahlreichen Abbildungen. (NB1384) 20 Euro
Der Mord an Benno Ohnesorg, der sich im Juni 2017 zum fünfzigsten Mal jährt, wurde zum politischen Fanal. Er war einer der Auslöser für die Studentenunruhen, die weitreichende Veränderungen in Politik und Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland zur Folge hatten. Ein Buch, das gerade für politisch interessierte, jüngere Leserinnen und Leser von großem Interesse ist.
Dieser Schuss auf den Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in Berlin hatte weitreichende Konsequenzen, politisch, kulturell und mentalitätsgeschichtlich. Uwe Soukup, der beste Kenner der Umstände dieses Geschehens, dessen Vorgeschichte und Folgen, hat akribisch recherchiert, beteiligte Personen bzw. Zeugen befragt und neueste Erkenntnisse über die Hintergründe berücksichtigt. Sein Buch ist die nüchterne und aufwühlende Erzählung eines Tages, eines Mordes und dessen politischer Folgen. Der 2. Juni wirkte wie ein Zeitbeschleuniger: schon vorher politisierte, aber eher gemäßigte Studenten wurden radikalisiert, die Medien griffen die Kritik und die Ideen der Studentenbewegung auf und popularisierten sie, Deutschland wurde liberaler und außerdem (jedenfalls partiell) zum Experimentierfeld neuer Lebens- und Umgangsformen. Später, kaum glaublich, wird bekannt, dass der Todesschütze, der Beamte der Politischen Polizei Heinz Kurras, der lange von Polizei und Justiz gedeckt wurde, schon seit den fünfziger Jahren Spitzel der Stasi war. Der Autor hat Kurras nach dessen Enttarnung noch persönlich getroffen und dazu befragt.

Lutz Taufer: Über Grenzen. Vom Untergrund in die Favela. Assoziation A 2017. 288 S. Paperback (NB1390) 19,80 ¤
Von der RAF in die Favela: Das Leben Lutz Taufers gleicht einer Suchbewegung, in der das Terrain der westdeutschen radikalen Linken vermessen wird. Rebellion gegen die verkrusteten Verhältnisse der Adenauerära in der badischen Provinz, 1968 in Freiburg, Basisgruppe Politische Psychologie in Mannheim, Sozialistisches Patientenkollektiv in Heidelberg, Mitglied des Kommandos Holger Meins der RAF, Besetzung der deutschen Botschaft in Stockholm, mitverantwortlich für die Erschießung von zwei Geiseln, 20 Jahre Haft, ein Dutzend Hungerstreiks bis an den Rand des Todes, nach der Freilassung ein Jahrzehnt Basisarbeit in den Favelas von Rio de Janeiro, heute im Vorstand des Weltfriedensdienstes.
Die Bilanz seines bewegten Lebens lautet: Ohne entschiedenes politisches Handeln lassen sich die versteinerten Verhältnisse, die für die große Masse der Menschen dieses Planeten keine Perspektive bieten, nicht verändern. Genauso gilt aber: Die Mitteln des Widerstands müssen am Ziel einer befreiten Gesellschaft orientiert sein. Und: Befreiung fängt an der Basis an.
„Lutz Taufer hat in den Extremkonstellationen der linksradikalen Geschichte agiert, und da er darüber ohne jede Beschönigung und in uneingeschränkter Konfrontation mit den begangenen Fehlern schreibt und nachdenkt, wird sein Buch tatsächlich zu einem Schlüsselwerk der 1960er bis 1980er Jahre“ (Karl Heinz Roth).
Ein herausragendes Dokument der Zeitgeschichte!

Diethard Behrens, Kornelia Hafner: Westlicher Marxismus. Schmetterling Verlag 2017. 902 Seiten, kartoniert. (NB1385) 39,80 Euro.
Von dem Philosophen Merleau-Ponty bereits in den 1950ern aufgebracht, wurde der Begriff vor allem durch Perry Andersons vielbeachtete Studie "Über den Westlichen Marxismus" (1978) populär und avancierte so in dessen Perspektive zum Synonym für einen 'philosophischen' Marxismus, der die Marx-Rezeption im 20. Jahrhundert entscheidend beeinflußte. In der hier vorliegenden problemorientierten Einführung zeichnen die Autoren diese Rezeption sowie ihre politischen und theoretischen Ursprünge nach. Dabei wird auf die Vorgeschichte der Neuen Linken sowie auf einzelne Autoren wie Althusser und Gramsci eingegangen. Da für ein Verständnis der Auseinandersetzungen, die in der Neuen Linken über Ökonomie und Philosophie, Staat und Politik, Kultur und Ästhetik herrschen, eine genaue Kenntnis der 'Westlichen Marxisten' unerlässlich ist, wird mit diesem Buch ein wertvolles Standardwerk zur Verfügung gestellt."

Klaus Gietinger: November 1918 – Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts. Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth. Edition Nautilus, März 2018. Broschur, 272 Seiten. (NB1404) 18,00 ¤.
Ein flammendes Plädoyer dafür, die verpasste soziale Revolution zwischen Kieler Matrosenaufständen und Weimarer Republik dem Vergessen zu entreißen!
100 Jahre nach dem November 1918 spricht man nur noch vom "Kriegsende", vom "Zusammenbruch des Kaiserreichs".
Dabei war die Novemberrevolution tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden Klassen. Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet – und sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und die Revolution – ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär, die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November 1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf. Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders verlaufen können.
"Klaus Gietinger gibt einen konzentrierten Überblick über die wesentlichen Etappen der revolutionären Nachkriegskrise, die zu Unrecht auf ihren Auftakt von Anfang November 1918 verkürzt wird." Karl Heinz Roth



Frank Deppe: 1917 / 2017. Revolution und Gegenrevolution. VSA 2017. 256 S. (NB1392) 19.80 Euro
Zum 100. Jahrestag der Revolution in Russland legt Frank Deppe eine Analyse ihrer Entstehungsbedingungen, ihrer globalen Folgen und ihres Scheiterns vor. Der Autor stellt die Oktoberrevolution in den Zusammenhang des langen Revolutionszyklus, der mit der Französischen Revolution im Jahr 1789 eröffnet wurde und mit dem Sieg der Bolschewiki 1917 (schließlich auch mit der chinesischen Revolution) immer wieder die Frage nach der Bedeutung der "Großen Revolutionen" bzw. der "Leitrevolutionen" für die Entwicklung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft aufgeworfen hat. Der Zyklus des Aufstiegs und Niedergangs der Sowjetunion wird im Kontext der großen weltpolitischen und weltgeschichtlichen Widerspruchskonstellationen des 20. Jahrhunderts untersucht. Was Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute heißen kann, ist Gegenstand des abschließenden Kapitels.
Frank Deppe ist emeritierter Professor für Politikwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg.



Mike Steinhausen: Ruhrpiraten. Roman. Gmeiner Verlag 2018. 406 S. Klappenbroschur. (NB1400) 16 Euro
Edelweißpiraten Ruhrgebiet 1942. Während Deutschland im Gleichschritt marschiert, träumen der 16-jährige Egon Siepmann und sein Freund Fritz Gärtner von Freiheit und Abenteuer. Hin und her gerissen zwischen dem Kampf ums Überleben, den Schikanen der Hitlerjugend und der Verfolgung durch die Gestapo, suchen sie nach ihrer Identität. Doch wer sich in dieser Zeit auflehnt, wird bestraft. Und die Schergen des NS-Regimes kennen keine Gnade.



Wulf D. Hund: Rassismus und Antirassismus. Basiswissen Politik/Geschichte/Ökonomie. PapyRossa Verlag 2018. 144 S. (NB1406) 9,90 Euro
Wulf D. Hund zeigt, warum Rassismus als soziales Verhältnis begriffen werden muss: er erlaubt Mitgliedern herrschaftlich strukturierter Gesellschaften, sich trotz sozialer Schichtung und ungleicher Verteilung von Ressourcen als zusammengehörig zu betrachten. Dazu bedarf es der Ausgrenzung. Sie hat in der Geschichte der Klassengesellschaften unterschiedliche Formen angenommen. Der Autor verdeutlicht die Modi der damit verbundenen Prozesse von Aufwertung durch Abwertung und zeigt die Verbindungen, die diese historisch eingingen. Anschließend beleuchtet er die diversen Spielarten von Rassismus im Verlauf der deutschen Geschichte und behandelt dessen antisemitische, antimuslimische, antislawische, antiziganistische, koloniale und eugenische Varianten. Außerdem werden Probleme und Perspektiven des Antirassismus angesprochen. Dessen Geschichte ist so alt wie der Rassismus, zeigt unterschiedliche Tendenzen und ist keineswegs widerspruchsfrei.
Wulf D. Hund,
Jg. 1946, Professor (i.R.), lehrte Soziologie an der Universität Hamburg. Forschungsschwerpunkt: Rassismusanalyse.



Die Mythen der Rechten. Was sie uns glauben machen wollen – und wie wir uns dagegen wehren können. Herausgegeben von Bascha Mika uns Arndt Festerling. Societäts-Verlag 2017. 144 S. (NB1388) 12,80 Euro
Deutschland versinkt in „Ausländer-Kriminalität“. Schweden wird von einer „muslimischen Vergewaltigungswelle“ überrollt. Zuwanderer werden bei der Arbeitssuche bevorzugt, Kinder in den Schulen „frühsexualisiert“ und die Antifa vom Staat finanziert. Solche Aussagen klingen absurd, doch für viele Anhänger von AfD, Neuer Rechter und Pegida sind sie Fakt, unumstößliche Wahrheiten, die vor allem über das Internet massenhaft weiterverbreitet werden. Und längst ist es nicht mehr nur der rechte Rand, der solche Mythen als wahr akzeptiert. Immer öfter sickern sie in den öffentlichen Diskurs ein – unwidersprochen. In „Die Mythen der Rechten“ gehen Autoren der Frankfurter Rundschau einigen dieser vermeintlichen Wahrheiten auf den Grund. Das Buch zeigt auf, wie die Mythen-Maschine der Rechten funktioniert – und was man ihr entgegensetzen kann.

Sebastian Friedrich: Die AfD. Analysen – Hintergründe – Kontroversen. Verlag Bertz + Fischer. 168 Seiten Paperback (NB1386) 7,90 Euro.
Der Aufstieg der AfD resultiert aus vier wesentlichen Entwicklungen: Krise des Konservativismus, Krise der repräsentativen Demokratie, Krise innerhalb der Unternehmensverbände, schleichende Krise des sozialen Sicherheit. Die Entwicklung der AfD seit ihrer Gründung, die soziale Basis der Partei, der Mythos, nach dem die AfD eine Partei der kleinen Leute sei. Anschließend geht es um die drei zentralen Strömungen der AfD – nationalkonservative, neoliberale, völkische – in welche Richtung bewegt sich die Partei. Das letzte Kapitel befasst sich dann ausführlich mit der Frage: „Was tun“: Die verschiedenen Diskussionen des vergangenen Jahres (Nachtwey, Eribon, Baron, Fraser etc.).

Sebastian Friedrich: Lexikon der Leistungsgesellschaft. Wie der Neoliberalismus unseren Alltag prägt. Vorwort von Oliver Nachtwey / Fotos von Johann Bröse. edition assemblage 2016. 96 S. (NB1368) 7,80 Euro
Der Streifzug durch alltägliche Begriffe der „Leistungsgesellschaft“ erkundet die vorherrschende Ideologie des flexiblen Kapitalismus. Er ist weit mehr als ein wirtschafts- und sozialpolitischer Ansatz. Die neoliberale Ideologie prägt unsere Persönlichkeit, unser Denken, unser Handeln: während wir Sport treiben, wir über unsere Bosse sprechen, als wären wir befreundet, wir in Dating-Portalen nach der Liebe fürs Leben oder dem schnellen Sex suchen, wir unser 70er Jahre-Rennrad das Altbau-Treppenhaus hochtragen, wir herzhaft über die Prolls in der Eckkneipe lachen, wir uns über unsere aktuellen Prokrastinationserfahrungen austauschen, wir mit einem Coffee-to-go bewaffnet im Stechschritt durch die Stadt marschieren, wir lustige ironisch-geistreiche Anmerkungen machen, wir uns wieder nicht entscheiden können und wir am Ende des Tages einmal mehr versuchen, das zu verdrängen, was längst Gewissheit geworden ist: daß es so nicht weitergehen kann.
Sebastian Friedrich ist Redakteur von kritisch-lesen.de und Verfasser der Kolumne „Lexikon der Leistungsgesellschaft“, die seit April 2013 bei der linken Monatszeitung ak– analyse und kritik erscheint.



Wolfgang Kastrup, Helmut Kellershohn (Hg.): Kulturkampf von rechts. AfD, Pegida und die Neue Rechte. Unrast-Verlag - Edition DISS. 244 S. (NB1359) 24,00 Euro
"An Phänomenen wie Pegida und der AfD zeigt sich deutlich der Rechtsruck, der zurzeit durch Deutschland geht. Die Ausbreitung rechter Ideologeme in der Mitte der Gesellschaft hat durch die aktuelle Flüchtlingspolitik einen gewaltigen Schub erhalten. Der Vertrauensverlust vieler Menschen in die politische Klasse ist aber nicht nur Ausdruck einer politischen Krise, sondern auch das Resultat der Krisenprozesse kapitalistischer Ökonomie in den letzten Jahren. Neurechte Gruppierungen und Netzwerke stehen bereit, diesen Menschen mit völkischer Ansprache Orientierung zu bieten. Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) widmet sich dem Thema 'Kulturkampf von rechts' in gewohnt kenntnis- und aufschlussreicher Art und Weise."



Elizabeth Gurley Flynn: SABOTAGE. Die bewusste Verringerung der industriellen Effizienz. Übersetzt und mit einer Biografie versehen von Ruth Schäfer. Verlag Trikont – Dialog-Edition 2016. 58 S. (NB1354) 8 Euro
Wenn der Streik im Kampf um soziale Gerechtigkeit nicht mehr reicht: „Dann wendet die Sabotage an“. In ihrem Pamphlet Sabotage erläutert Elizabeth Gurley Flynn, Gründerin einer Bürgerrechts-Union aus den USA, wie der Arbeiter seinem Boss - neben dem Streik - noch so an den Kragen gehen kann. Wie er mit einfachen Mitteln die Lächerlichkeiten engstirniger Vorschriften offensichtlich machen kann. Wie man dem Richter an den Magen geht und nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen, bessere Verhältnisse schafft.
Mit ihrem Aufruf zur Unterstützung des Angeklagten F. Sumner Boyd, und ihrer moralischen Rechtfertigung der Sabotage ermöglicht Elizabeth Gurley Flynn dem Leser Einblick in die nicht vorstellbaren Bedingungen der Minen- und Eisenbahnarbeiter, Weber und Kellner des frühen 20. Jahrhunderts und deren Kampf um mehr soziale Gerechtigkeit.

Jack Black: Im Knast und auf der Flucht. Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Axel Monte und Jerk Götterwind, Illustrationen von Horst Kirstein. Verlag Trikont / Dialog-Edition. 156 S. (NB1355) 15 Euro
Jack Black (1871-1933) war ein amerikanischer Eisenbahntramp und berüchtigter Einbrecher, der durch seine autobiographischen Schriften zu Berühmtheit gelangte. Der belesene und eloquente Black war ein literarischer Glücksfall, weil er dem Leben im kriminellen Milieu authentisch Ausdruck zu geben vermochte. So wurde er zu einem Pionier und Vorläufer des True-Crime- und Hard-Boiled-Genres.
Nachdem die anfängliche Hobo- und Ganovenromantik des Jugendlichen verflogen ist, versucht Black dem immer brutaler werdenden Teufelskreis aus Knast, Ausbrüchen und Flucht zu entkommen. Mit Hilfe des Philanthropen Fremont Older kommt er schließlich frei. Diese Zeit zwischen Verzweiflung und Hoffnung schildert er eindringlich in „Im Knast und auf der Flucht“.
Da er selbst die unmenschlichen Haftbedingungen in Folsom und anderen Gefängnissen erlebt hat, engagiert er sich in Vorträgen und Essays für Reformen im Strafvollzug. Im Jahr 1933 verschwindet Jack Black, der unter gesundheitlichen und finanziellen Problemen litt, spurlos aus seiner Wohnung in New York. Es wird vermutet, daß er Selbstmord begangen hat.

Kathrin Glösel, Natascha Strobl, Julian Bruns: Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Unrast Verlag 2016. 320 Seiten. (NB1356) 18 Euro.
Die Identitären, deren Anfänge um das Jahr 2002 auszumachen sind, verstehen sich als Jugendbewegung der „Neuen Rechten“ in Europa. Seit der Initialzündung in Frankreich haben sich u.a. in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Spanien sowie Dänemark, Schweden und Norwegen Ablegergruppen gegründet, die untereinander vernetzt sind und sich im Aufbau von grenzüberschreitenden Strukturen befinden.
Basierend auf Text-, Bild- und Videomaterial, den Gruppen-Standpunkten, Gesellschaftsanalysen und Schlussfolgerungen werden in diesem Handbuch Aktionismus und Aktivisten benannt und analysiert. Die politische Logik ihrer Thesen wird ebenso eingeordnet, wie die Mittel (rhetorisch, visuell, aktionistisch, medial), derer sie sich bedienen und es wird der Frage nachgegangen, auf welche Theorien und vorhandene Literatur sich die Identitären stützen.
Das Buch beleuchtet die Verbreitung in ganz Europa, ihre Verortung als „Neue Rechte“, ihre Ideologien und historisch-theoretischen Unterbau, ihre Kommunikationsstrategien sowie ihre Qualifikation als Jugendbewegung.

Markus Liske / Manja Präkels (Hg.): Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn? Verbrecher Verlag 192 S. (NB1342) 18 Euro.
25 Jahre nach Unterzeichnung des Einheitsvertrages erobern überall in Deutschland wahnhafte Bewegungen die Straßen. Sie nennen sich Pegida, HoGeSa, Montagsmahnwachen, Reichsbürger oder Friedenswinter. Einige dieser Zusammenschlüsse sind offen antisemitisch, andere islamophob und wieder andere beides. Sie haben Angst vor Flüchtlingen, „Homosexualisierung“, Kondensstreifen oder einem geheimen weltjüdischen Kontrollrat. Ihre Helden heißen Wladimir Putin und Thilo Sarrazin, ihr gemeinsamer Gegner ist die „Lügenpresse“. Mal sehen sie sich als Linke, mal als Rechte, und ihr gemeinsamer Schlachtruf lautet: „Wir sind das Volk!“ Stimmt das? Sind sie „das Volk“? Und wenn ja: Was genau will dieses Volk? In „Vorsicht Volk!“ erörtern Autorinnen und Autoren essayistisch die Ursachen, Hintergründe und Gemeinsamkeiten der neuen Wahnbewegungen.
Mit Beiträgen von Kirsten Achtelik, Ivo Bozic, Harald Dipper, Jutta Ditfurth, Stefan Gärtner, Patrick Gensing, Willi Jasper, Anetta Kahane, Alexander Karschnia, Kerstin Köditz, Konstanze Kriese, Klaus Lederer, Markus Liske, Anselm Neft, Manja Präkels, Jan Rathje, Anna Schmidt, Julia Schramm, Jörn Schulz, Heiko Werning, Elke Wittich und Deniz Yücel.



Axel Klingenberg: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Wie Deutschland verblödet. Verlag Andreas Reiffer. 160 S. (NB1314) 9,90 Euro
„Deutschlands Neokonservative spielen sich als Querdenker und Tabubrecher auf – und sagen doch nur das, was schon immer falsch war und auch durch die hundertste Wiederholung nicht richtiger wird. Axel Klingenberg hat die 88 dümmsten, dürftigsten und düpierendsten Aussagen der nationalen Vor'denker' von Sarrazin bis Pirincci und ihrer deutschtümelnden Anhänger von der AfD bis zu Pegida gesammelt, um sie genüsslich auseinanderzunehmen und so wieder zusammenzusetzen, dass klar wird, warum die lustigen schwarz-rot-gelben Sombreros der Party-Patrioten und D-Mark-Nostalgiker doch nur alte Aluhüte sind, die auf den Müllhaufen der Geschichte gehören.
Schön, dass es in Deutschland Meinungsfreiheit gibt. Unschön, dass sie für jeden gilt. Sogar der Paradekatholik Matthias bzw. Matthäuslukasjohannes Matussek, der sich darauf spezialisiert hat, in gesellschaftlichen Diskursen die jeweils unangenehmste und abwegigste Position einzunehmen, darf hier ungestraft sein dröseliges Gedankengut verbreiten. Die größte Ansammlung an tabubrechenden Kreuz- und Querdenkern findet man in den täglichen Talkshows. Der Schweizer Ausländerbegrenzungsbefürwortungsredakteur, der kinderreiche Chefevangelist und der homophobste Publizist der Republik – sie alle werden in diesen Freakshows ausgestellt, damit die Zuschauer sich beruhigt in ihren Fernsehsesseln zurücklehnen und erleichtert seufzen können: 'Gut, dass ich nicht so viel Unsinn erzähle!' Na klar, manche nennen das, was aus solchen Meinungsmachern ungebremst herausbröselt, den 'gesunden Menschenverstand' – der aber bekanntlich in vielen Fällen nicht weit vom 'gesunden Volksempfinden' entfernt ist. Man sollte auch nicht den Fehler begehen, zu glauben, dass nur Männer nichts Gescheites zu sagen haben. Es gibt genügend Frauen, die sich bemühen, in dieser Disziplin emanzipiert Anschluss zu halten. Zum Beispiel die Autorin Sibylle Lewitscharoff, die das 'Onanieverbot' für 'weise' hält, und Personen, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden, als 'zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weiß-nicht-was' bezeichnet.“



Lothar Röse: Prisoner of War Post. Helmuts Briefe aus der Kriegsgefangenschaft 1947/48. Situationspresse 2016. 100 S. (NB1330) 10 Euro.
Der Briefeschreiber war nach der Lehre als einfacher Wehrmachtssoldat in den Zweiten Weltkrieg und von 1944 bis 1948 in englische Kriegsgefangenschaft. Dort hatte er dann Zeit zum Nachdenken und machte sich auch durchaus seine Gedanken – über seine Zukunft, denn er war immerhin schon 26 Jahre alt. Und so bemühte er sich brieflich um Kontakt zu einer jungen Frau, die er vor dem Krieg zu Hause einmal kurz gesehen hatte.
Die vorliegende Arbeit sichtet seine Brautwerbebriefe und leistet damit einen Beitrag zur Mentalitätsgeschichte der Deutschen sowohl der Zwischenkriegszeit als auch des Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschlands, wie sie sich so nur selten als schriftliche Überlieferung erhält. Der Aussagewert dieser Briefe mag gerade darin liegen, daß sie weitab von einer distanzierten Reflexion des Geschehenen einem bestimmten und privaten Zweck dienten. Umso bemerkenswerter gerät, was manchmal zwischen den Zeilen en passant über die Vorstellungen von der Ordnung der Dinge und vom Leben darin zum Ausdruck kommt.
Der Herausgeber kommentiert die Briefe sie informativ, aber zurückhaltend.
Das kleine Werk, das nebenbei auch einen Einblick in die Popkultur bzw. „Kulturindustrie“ der Zeit bietet, kann auch als deutscher Beitrag zur Comédie Humaine zwischen Great Expectations und Illusions perdues gelesen werden.
Die Deutschen empfanden den Zweiten Weltkrieg als ein Schicksal, das über sie kam – und danach „gelang“ ihnen – fast so, als wäre gar nichts geschehen (jedenfalls nichts Erwähnenswertes) die Rückkehr in eine (dann doch etwas seltsame) „Normalität“.

Silke Vogten: Getanzt wird immer. Gedichte. Dialog-Editon Duisburg 2016. 76 S. (NB1348) 10 Euro
Poetische Hüftschüsse aus Berlin, Köln und dem Ruhrgebiet. Dazu Berichterstattung aus Absurdistan. Und dazwischen Rückzug in ganz eigene Gefilde. Eben Gedichte von unterwegs.

Marvin Chlada: Der Poet als Lumpensammler. Interviews und Reportagen. Edition Dialog, Duisburg 2016. 206 S. (NB1349) 15 ¤
Gesammelte Reportagen und Interviews, Glossen und Essays. Denkwürdige Begegnungen. Merkwürdige Begebenheiten. Rockmusik und Schlagerkultur, Situationisten und Beatniks, Wiedertäufer und Ganoven. Streifzüge durch die Welten von Charles Fourier, William S. Burroughs, Russ Meyer, Michel Foucault u. v. m.



Marvin Chlada: Logik der Verführung. Gedichte. Dialog-Edition 2016. 54 S. (NB1329) 8 Euro