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Ausgewählte Beiträge aus dem Satire-Magazin DER METZGER


Renate König

Risiko Kinderkrankeit


(Der Metzger Nr. 114 - Juli 2015)


Die Masern sind keineswegs eine „harmlose Kinderkrankheit“. Harmlos sind auch nicht die Impfgegner.

Der Fortschritt der Medizin geht in verschiedene Richtungen. Die Privatisierung des Gesundheitswesens, die Kommerzialisierung der Gesundheit macht wissenschaftlichen Fortschritt zunichte – und nährt zugleich die Zweifel an der wissenschaftlichen „Schulmedizin“. Der Schritt vom Zweifel zu trügerischen Gewißheiten ist nicht weit, die Grauzone wird zu einer Zone des Grauens.

Während die Pocken weltweit ausgerottet wurden – nicht zuletzt durch Impfprogramme – breiten sich die Masern wieder aus. Die Viruserkranung schwächt das Immunsystem. Meist geht ein Masernanfall schnell vorbei. In dem kurzen Zeitabschnitt ist das Risiko anderer Infektionen jedoch erhöht. Masern können Spätfolgen verursachen wie Hirnhautentzündung oder Ohrentzündung bis zum Verlust des Gehörs. Da diese Zusammenhänge früher nicht bekannt waren, wurden die Masern für eine „harmlose Kinderkrankheit“ gehalten.

Zur neuerlichen Ausbreitung der Masern haben Impfverweigerer beigetragen. Sie werden von „Alternativmedizinern“ mit halbgaren oder falschen Risikogeschichten in Schrecken versetzt.

Impfungen bergen, wie jede medizinische Maßnahme, Risiken. Impfungen können durchaus gesundheitliche Schäden verursachen. Das Risiko ist aber nachweislich geringer als das Risiko durch unterlassene Impfung.

Personenkreise wie Leukämiekranke, HIV-Infizierte und Säuglinge in den ersten neun Lebensmonaten können nicht geimpft werden. Darum sind sie darauf angewiesen, daß die meisten Menschen geimpft sind, um nicht als Überträger für sie gefährlich werden zu können.

Scharlatanerie, Unkenntnis und Geschäftemacherei sind das Vorfeld einer militanten Impfgegnerschaft. Vor der Aufnahme von Quecksilber und Aluminium durch Impfserum wird gewarnt. Quecksilber ist in Seren nicht (mehr) enthalten, und durch die Muttermilch wird in einem halben Jahr mehr Aluminium verabreicht als durch alle üblichen Impfungen zusammen.

Längst widerlegte Mythen geistern weiter im Internet. Autismus als Folge von Impfungen: Der britische Arzt Andrew Wakefield hat dies in einer gefälschten Studie verbreitet, um seine „alternativen Impfstoffe“ an den Mann zu bringen. Er darf den Beruf des Arztes nicht mehr ausüben. Ebenso versuchen Anbieter esoterischer Ernährungsratgeber ihr Glück, indem sie behaupten, gegen alle möglichen Krankheiten helfe „gesunde Ernährung“.

In Waldorfschulen sind Masernfälle häufig, weil die Anthroposophen behaupten, Kinder müßten die Masern „empfangen“ für eine gesunde Entwicklung.

Von Verschwörungsparanoikern wird wieder mal verbreitet, mit Impf-Propaganda wolle die Pharmaindustrie sich Extraprofite verschaffen. Dabei wäre es doch viel einträglicher, Medikamente gegen Krankheiten abzusetzen, die durch Impfungen verhindert werden. Zugleich wird gefragt, warum die „Lügenpresse“ gerade jetzt für Impfungen plädiert (gerade jetzt ist in Berlin eine Masern-Epidemie mit Todesopfern ausgebrochen). Zugleich wird die Existenz von Viren allgemein abgestritten, „weil noch niemand ein Virus gesehen hat.“

Dem braun-esoterischen Milieu ist die „Neue Germanische Medizin“ entsprungen („Was uns nicht umbringt, macht uns hart“). Ihr zufolge ist an jeder Krankheit der Kranke schuld, weil er „falsch lebt“.