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Metzger-Archiv

Ausgewählte Beiträge aus dem Satire-Magazin DER METZGER



Jakop Heinn:

Man könnte es wissen


Der Metzger Nr. 58 (Dezember 1999)


Zehn Jahre nach dem Mauerfall werden die Bürgerrechtler noch einmal bebauchpinselt.

Es war zu erwarten, daß uns in diesen Monaten die Geschehnisse um den Umfall der Berliner Mauer wieder einmal aufgetischt werden. Sie liegen zehn Jahre zurück. Jubiläum!

Vergessene Gestalten kommen wieder ins Fernsehen. Vergessene Heldentaten werden in Erinnerung gerufen. Ja, da war mal was. – Aber richtig gern erinnert man sich nicht daran. Man hatte sich das alles doch irgendwie anders vorgestellt. Die Einheit erleben die Deutschen als Schicksal, mit dem man vielleicht manchmal hadert, gegen das man sich aber auch nicht auflehnt. Daß das alles große Sternstunden gewesen sein sollen, glaubt keiner mehr so recht. Aber man weiß es auch nicht besser.

Man wird es auch nicht erfahren, wenn man sich die So-war-das-damals-Sendungen anschaut. Da wird so getan als ob. Der unvermeidliche Biermann tut so, als wäre er die gute DDR gewesen (und die SED die schlechte). Als könnte es nicht inzwischen ein Blinder mit dem Krückstock sehen, wie er das damals wirklich gemeint hat, als „Spießer, Spinner, Affen“ auf seinen „roten Flammen“ ihr braunes Süppchen kochen wollten: „Die können mich gern haben.“

Ausgerechnet in dem Moment, wo das Gesicht von Bärbel Bohley im Bild zu sehen ist, heißt es im Kommentar, die tapferen Bürgerrechtler hätten eine bessere DDR gewollt, einen echten Sozialismus, nämlich den mit dem berühmten menschlichen Antlitz.

Die da auf die Propagandatube drücken, haben von einem Meister ihres Fachs gelernt: Eine Lüge wird gerade dann geglaubt, wenn sie besonders unverschämt ist. Bärbel Bohley und der Sozialismus, der echte, der wahre. Und das 1999!

Das ist der Unterschied: Wir Kommunisten haben immer gesagt, was wir wollten: Gemeineigentum an Grund und Boden, Verstaatlichung der Banken, Vergesellschaftung der Produktionsmittel, Verbot aller faschistischen Organisationen, und so weiter. Das kann man beim Wort nehmen, Punkt für Punkt. Vor allem diesen: Wer den Sozialismus will, muß die Gegner des Sozialismus bekämpfen.

Was die Bürgerrechtler als ihre Ziele ausgaben, war alles gelogen. Was die wirklich wollten, hat man gesehen: Rein in die NATO, rein in die Springerpresse, rein in die CDU, und Bärbelchen ist richtig selig, wenn sie bei Helmut Kohl auf dem Schoß sitzen darf.

Nur: offen zu sagen, auf welcher Seite sie stehen, konnten die sich damals nicht leisten.