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Metzger-Archiv

Ausgewählte Beiträge aus dem Satire-Magazin DER METZGER


Lina Ganowski

Warum nicht? Darum nicht!


Der Metzger Nr. 62 (März 2001)


Als der Europäische Gerichtshof den Frauen die Kasernentore öffnete und ihnen das „Recht“ zusprach, Waffendienst zu leisten, war dies die größte Niederlage der Frauenbewegung.

Da diese darauf aktiv hingearbeitet hatte, wird die Niederlage jetzt als Sieg präsentiert. Daß in der Frauenfrage Sieg und Niederlage nicht voneinander zu unterscheiden sind, liegt an den Widersprüchen dieser Bewegung: Sie kann gar nicht andres, als Siege erringen, die Niederlagen sind.

Natürlich ist es den Emanzen peinlich, auf ihr Fiasko hingewiesen zu werden. Und es mangelt nicht an Worten, diesem Unbehagen Ausdruck zu geben.

Barbara Nohr hat sich in dem Wochenblatt „Jungle World“ Luft gemacht. Die „Gleichstellungspolitikerin“ (Nohr über Nohr) gibt zum besten:

„In der Diskussion um die Frage 'Frauen in die Bundeswehr?' bröckelt die GegnerInnenseite gewaltig. Die schwindende GegnerInnenschaft nimmt dies zum Anlaß, sich als die 'waschechte' und wahre Linke zu feiern, während BefürworterInnen als reformistisch, formaldemokratisch oder auch als antiemanzipatorisch diffamiert werden. Wer sich in der linken Szene gegen den Zugang von Frauen zur Bundeswehr ausspricht, gehört eben doch noch zu den wirklich Guten, die ihre 'alten' Ziele nicht verraten haben - egal wie haarsträubend die Argumente sind.“

Daß es sich bei der Auseinandersetzung um diese Frage überhaupt um eine Diskussion handelt, bezweifle ich. Zumindest Barbara Nohrs Stellungnahme ist kein Diskussionsbeitrag. Denn sie verzichtet auf Argumente und setzt Rhetorik an ihre Stelle. Die „GegnerInnenseite“ bröckelt; sie bröckelt sogar gewaltig. Die „GegnerInnenschaft“ schwindet. Wenn einem sonst nichts einfällt, setzt man einfach in die Welt, daß die andere Meinung nur von einem kleinen und immer kleiner werdenden Häuflein vertreten wird. Worauf sich diese These stützt, verrät Barbara Nohr uns nicht. Sie behauptet bloß. Träfe ihre Behauptung zu: was würde das schon sagen? Die Wahrheit wird nicht zur Unwahrheit, wenn sie von wenigen gewußt und gesagt wird, und die Klugheit schwindet nicht mit der Zahl der Klugen. Nohrs Behauptung, träfe sie zu, spräche nicht für sie. Es gibt Linke, die zwar noch so bezeichnet werden wollen, die aber nicht mehr gegen den Krieg sind. Die schwindende Zahl der Gegner ist durch die wachsende Zahl der Opportunisten bedingt. Der Opportunist, der die „schwindende GegnerInnenschaftverkündet, verkündet seine eigene Schande.

Es ist der dümmste Vorhalt, den Linke Linken machen können: Eine Minderheit zu sein.

Den „BefürworterInnen“ ist allerdings etwas sehr viel Gewichtigeres vorgehalten worden: reformistisch, formaldemokratisch und antiemanzipatorisch zu sein. Wie kontert man solche Feststellungen? Man erklärt sie einfach zu „Diffamierungen“. Der Reformist fühlt sich „diffamiert“, wenn man ihn als Reformist kennzeichnet. Das ist so, als würde sich einer, der gestohlen hat, als Dieb „diffamiert“ fühlen. Wer den, der ein Haus anzündet, als Brandstifter bezeichnet, hat sich der „Diffamierung“ schuldig gemacht. Wer sich gegen den Zugang von Frauen zur Bundeswehr ausspricht, gehört zu den wirklich Guten, die ihre „alten“ Ziele nicht verraten haben, ist also irgendwie komisch, von gestern. Seine Argumente sind „haarsträubend“. Wieso die Argumente haarsträubend sein sollen, wird nicht begründet. Es wird nur verkündet. Stattdessen greift die sich diffamiert Fühlende selbst zum Mittel der Diffamierung. Wer seine „alten“ (wieso Gänsefüßchen?) Ziele nicht verraten hat, ist für den Opportunisten das Letzte. Wer kein Opportunist ist, ist für den Opportunisten ein starrköpfiger Prinzipienreiter. Oder ein Heuchler. Oder beides. Ihm wird unterstellt: „Wer sich gegen Frauen in der Bundeswehr ausspricht, will sich hauptsächlich der eigenen linken PC-Identität vergewissern“, heißt es an anderer Stelle. Das hat Klang! Genauso gut könnte da stehen: „Wer nicht meiner Meinung ist, will sich nur wichtig machen“.

In diesem Stil geht es weiter: „Die Forderung, daß die Gleichstellung dadurch realisiert werden solle, auch Männern den Zugang zur Bundeswehr zu verbieten, ist ganz hübsch, trägt aber nichts zur Auseinandersetzung bei.“ Ach, nein? „Gleiche Rechte müssen im Hier und Jetzt eingefordert werden. Wer die Herstellung gleicher Rechte erst auf den Zeitpunkt nach der Abschaffung der Bundeswehr datiert, argumentiert im klassischen Nebenwiderspruchsdiskurs: Wenn die Welt besser ist, dürfen auch Frauen daran teilhaben.“

„Im Hier und Jetzt“ ist Quatsch. Es muß „hier und jetzt“ heißen. „Im Hier“ und „im Jetzt“ gibt es nicht. Das ist pures Geschwafel. Diese sprachliche Häßlichkeit ist der Jargon der Linken, die zur „Szene“ verkommen ist, und dazu zu zählen ist auch das große I bei „GegnerInnen“ und „BefürworterInnen“, auf das die nicht verzichten kann, die anderen vorhält, sich ihrer „PC-Identität“ vergewissern zu wollen. Wenn Linke nicht mehr links sein können, bleibt immer noch ihr Sprachschrott übrig. Und wen meint sie denn mit denen, die die Herstellung gleicher Rechte erst auf den Zeitpunkt nach der Abschaffung der Bundeswehr datieren? Ich kenne niemanden, auf den das zutrifft. Barbara Nohr sieht Gespenster. An der Welt „haben“ Frauen in jedem Fall „teil“, egal wie gut oder schlecht sie ist. „Nebenwiderspruchsdiskurs“ muß etwas ganz Schlimmes sein. Bleibt zu fragen, was denn für Barbara Nohr der Hauptwiderspruch ist. Auf die Antwort freue ich mich!

Doch darauf kann man lange warten. Klar ist nur: da das Schaffen besserer Zustände ein mühseliges Geschäft ist, will eine wie Barbara Nohr mit den Wölfen heulen. Das ist das Geräusch, das Opportunisten von sich geben.

Weiter heißt es: „Ich möchte mir nicht länger von der Gegenseite vorwerfen lassen, die Bundeswehr zu verharmlosen, die Militarisierung der Gesellschaft voranzutreiben oder antiemanzipatorisch zu sein.“ Sie verharmlost die Bundeswehr, treibt die Militarisierung der Gesellschaft voran, ist antiemanzipatorisch, aber wenn man ihr das sagt, dann ist sie echt sauer. “'Die Bundeswehr ist kein Hort der Emanzipation', so die rasante Erkenntnis einer landesweiten Kampagne gegen 'Frauen ans Gewehr'. Wer bestreitet das?“ Seht an! Ein blindes Huhn hat ein Korn gefunden! Aber eine Erkenntnis, die ohne Konsequenzen bleibt, ist keine. Es ist bloße Rhetorik, einem „rasanten“ Gegenargument zuzustimmen, ohne Konsequenzen daraus zu ziehen. Das ist so, als würde der Kaufmann eine zu hohe Rechnung ausstellen, die Reklamation „rasant“ finden und antworten: „Sie haben recht, die Rechnung ist zu hoch“ und dann weiterhin auf seiner Forderung bestehen. Würde Barbara Nohr aus dem, was sie nicht bestreitet, die Konsequenz ziehen, gehörte sie „eben doch noch zu den wirklich Guten, die ihre 'alten' Ziele nicht verraten haben“, wäre dann aber keine „Gleichstellungspolitikerin“ mehr. Und das möchte sie um alles in der Welt bleiben, so wie Fischer Minister bleiben will. Um ihren Traumjob zu behalten, flüchtetet sie sich dorthin: „Aber seit wann dürfen Frauen nur Zugang zu bereits emanzipierten Bereichen haben, und wer bestimmt, wann ein Feld ausreichend für Frauen emanzipiert ist?“ Eine dumme Frage!

Barbara Nohr kann gleichzeitig Fleisch essen und Vegetarierin sein: „Ich kann sehr wohl fordern, daß Frauen der Zugang zur Bundeswehr ermöglicht wird, und gleichzeitig, daß die Bundeswehr abgeschafft wird. Wo ist das Problem?“ In deinem Kopf, liebes Kind! Wer die Bundeswehr verharmlost und die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt und gleichzeitig die Abschaffung der Bundeswehr „fordert“, will sich mit einem billigen Lippenbekenntnis rausmogeln. Das haben schon andere getan. Mit derlei Phrasen ist auch der Weg gepflastert, auf dem ein Joschka Fischer zum Kriegs-Minister.

Absurd bleibt es, wenn sie fortfährt: „Geradezu absurd wird es, wenn das Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen Frauen in der Bundeswehr als Argument gegen den Zugang angeführt wird. Jahrzehntelang sind Frauen genau mit diesem Argument an den Hochschulen ausgegrenzt worden. Natürlich ist das Ausmaß sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz - und zwar generell - ein Skandal. Es ist auch zu erwarten, daß solche Übergriffe innerhalb einer derart hierarchisch organisierten Struktur wie der Bundeswehr weit verbreitet sein werden. Dagegen muß vorgegangen werden … Die Tatsache sexualisierter Gewalt gegen Frauen kann jedoch nicht zu deren Ausgrenzung führen, sondern muß die Bestrafung der Täter zum Ziel haben.“

Viel Quatsch auf einem Haufen! Noch nie wurden Frauen wegen des Ausmaßes sexualisierter Gewalt in der Bundeswehr an den Hochschulen ausgegrenzt. Für Barbara Nohr ist die Bundeswehr ein Arbeitsplatz wie andere auch. Darum schreibt die „Gleichstellungspolitikerin“ auch an anderer Stelle vom „geschlechtsspezifischen Berufsverbot“, als wäre Soldat ein Beruf wie jeder andere. Was den Arbeitsplatz - und zwar generell - betrifft, sollte man doch einsehen, daß in der gewerblichen Wirtschaft kein Arbeitsplatz zum Zweck sexualisierter Gewalt gegen Frauen eingerichtet wurde. Hierin aber unterscheidet sich die Bundeswehr von der gewerblichen Wirtschaft. Barbara Nohr, die mit der Überschrift ihres Artikels „Mörderinnen - na und?“ die Frechheit gar zu weit treibt, verlangt allen Ernstes die „Bestrafung der Täter“. Für was? Dafür, daß sie tun, was ihnen in der Grundausbildung beigebracht wird? Dafür, daß sie sich so verhalten, wie es ihnen beim Barras eingeschärft wird?

Barbara Nohr weiß nicht, worüber sie schreibt. „Gleiche Rechte, unabhängig von Geschlecht … sind wesentliche Grundpfeiler linker, emanzipatorischer Politik, die auf Selbstbestimmung und Gleichheit zielt. Auch oder gerade dann, wenn es sich um ein für Linke unerträgliches Feld handelt.“ Wieso gerade dann? „Die Entscheidung darüber“ (ob Frauen zur Bundeswehr gehen) „müssen sie jedoch selbst fällen dürfen - zumindest solange wir in einer Gesellschaft leben, die eine Bundeswehr für unverzichtbar hält.“

Mit der Frage, wie, wenn man die Bundeswehr verharmlost und die Militarisierung der Gesellschaft vorantreibt, ein Zustand entstehen soll, in dem die Gesellschaft die Bundeswehr für verzichtbar hält, will ich die Gleichstellungspolitikerin nur en passant belästigen. Auch würde ich nebenbei gerne erfahren, was sie mit dem Wörtchen „zumindest“ sagen will. Doch wesentlicher ist dieser geradezu lachhafte Realitätsverlust, der in diesen Sätzen zum Vorschein kommt.

Was soll das heißen: Die Frauen sollen selbst entscheiden dürfen? Entweder ist der Waffendienst von Frauen die Vorstufe zur Wehrpflicht für Frauen - dann hat es sich was mit „gedurft“. Oder es bleibt bei dem Zustand, den die Gleichstellungspolitikerin besonders lustig findet: Frauen dürfen, wenn sie wollen, Männer müssen, auch wenn sie nicht wollen. Damit sackt das ganze Gleichstellungsgefasel in sich zusammen. Das gilt erst recht für diese Feiertagsproklamation über den Grundpfeiler linker, emanzipatorischer Politik. Wie will man Gleichheit und Selbstbestimmung mit dem Dienst in der Bundeswehr in Zusammenhang bringen?

Mit ihrer Forderung, Frauen zum Waffendienst in der Bundeswehr zuzulassen, ist die Frauenbewegung auf ihre eigenen Phrasen hereingefallen. Gleichstellung wird absolut gesetzt und somit aus allen Zusammenhängen gerissen. Gleichstellung soll auch dann das Maß aller Dinge sein, wenn Gleichstellung im Widerspruch zur Emanzipation steht. Gleichstellung um jeden Preis bedeutet Gleichstellung auch um den Preis der Emanzipation. Der Kampf für die Gleichstellung ist zum Kampf an der falschen Front geworden. Von Emanzipation ist sowieso schon längst nicht mehr so oft die Rede. Viel öfter wird von Karriere geträumt. Wer die Karriere zum Lebenszweck erhebt, hat die Emanzipation dort liegenlassen, wo die wirklich Guten ihre alten Ziele nicht verraten und die Opportunisten sich aus dem Staub gemacht haben. So sehen die Siege dieser Bewegung aus: die Amazone wird zur braven Soldatin.

„Aufstieg ist hier nur möglich, wenn viele nicht aufsteigen. Karriere kann man nur machen, wenn viele keine machen. Die Karrierefrau und die emanzipierte Frau - das ist ein Widerspruch.“ So stand es vor ein paar Jahren auf diesen Blättern. Und es hieß hier auch mal: „Die Frauenbewegung … hat vom Militär etwa die Vorstellungen, die Preußens Armeewerber den Dorftrotteln vermittelt haben… Sie glaubt, im Tornister stecke der Marschallinnenstab.“

Das Unangenehme an der Frauenbewegung war ja immer ihr Allwissenheitswahn. Feministinnen wissen alles und wissen alles besser. Sie sind von Natur aus immer im Recht, reden viel und lassen sich um nichts in der Welt beirren. Bevor sie sich zum Thema Militär äußerten, hätten sie in der Friedensbewegung zur Schule gehen sollen. Aber da haben sie, wenn sie sich blicken ließen, nur die Leute mit Belehrungen gelangweilt, daß der Mann als solcher die Ursache aller Kriege und aller sonstigen Mißliebigkeiten der Weltgeschichte ist. Gelernt haben sie nichts, wie man jetzt erkennt.

Wer den bisherigen Ausschluß der Frauen vom Waffendienst in der Bundeswehr als „geschlechtsspezifisches Berufsverbot“ darstellt, will nichts wissen über die Bundeswehr und ihren Auftrag. Wer die Bundeswehr mißversteht als irgendein Betätigungsfeld, für das man sich entscheiden kann wenn es einem gerade in den Sinn kommt, verharmlost den Krieg. Wer die Gleichstellung aus jeder gesellschaftlichen Realität herausabstrahiert, stärkt die Bundeswehr, ohne sich für deren Funktion überhaupt zu interessieren. Der Angriffskrieg hat 1999 stattgefunden, meine Damen! Da hat sich der Charakter dieser Streitmacht gezeigt. Wer meint, das vernachlässigen zu können, hat sich zum Komplizen der Gewaltpolitik gemacht. Verbrecherisch handelt, wer wider besseres Wissen handelt, aber auch, wer sich besserer Einsicht verschließt. Wer zur Bundeswehr ja sagt, macht sich mitschuldig an den Opfern des Krieges gegen Jugoslawien und an den Opfern der Kriege, die noch kommen. Man hat den Krieg als Mittel der Politik akzeptiert, wenn man das Kriegshandwerk für ein Mittel zur Durchsetzung der Gleichstellung hält.

Gleiche Rechte, unabhängig von Geschlecht sind wesentliche Grundpfeiler linker, emanzipatorischer Politik, die auf Selbstbestimmung und Gleichheit zielt. Das ist ein schönes Bekenntnis. Damit für die Bundeswehr zu plädieren ist absurd. Wer der Bundeswehr den kleinen Finger reicht, hat Gleichheit, Emanzipation und Selbstbestimmung geopfert - von linker Politik gar nicht zu reden. Die Bundeswehr ist dazu da, Gleichheit, Emanzipation, Selbstbestimmung und linke Politik zu unterdrücken. Sie wurde gegründet als Instrument einer imperialistischen Politik, die mit Gleichheit, Emanzipation und Selbstbestimmung wenig zu tun hat, und zur Eindämmung des Kommunismus, der mit Gleichheit, Emanzipation und Selbstbestimmung umso mehr zu tun hat, ja überhaupt die Verkörperung all dessen ist. Mit den Notstandsgesetzen von 1968 ist der Bundeswehr zudem der Auftrag erteilt worden, gewaltsam gegen den „inneren Feind“ vorzugehen.

Ein Seminar über Imperialismus und seine Methoden wäre aber gar nicht erforderlich, um die Absurdität der Idee aufzuzeigen, Gleichheit, Emanzipation und Selbstbestimmung ausgerechnet hinter Kasernenmauern zu suchen. Gleichheit durch Uniformität ist eine Gleichheit ohne Rechte. Diese Art von Gleichheit kommt durch den Verlust der Individualität zustande.

Ein Blick ins Soldatengesetz hätte gezeigt, daß der Ausschluß von Frauen vom Waffendienst kein „geschlechtsspezifisches Berufsverbot“ sein kann, und zwar einfach deshalb, weil Soldat kein Beruf ist. Soldaten haben kein Kündigungsrecht. Sie haben kein Recht, ihren Aufenthaltsort selbst zu bestimmen. Sie müssen gehorchen (das klingt sehr nach Selbstbestimmung). Sie dürfen sich nicht kollektiv beschweren. Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ist eingeschränkt.

Auch ein Seminar über die rechtliche Stellung des Soldaten (und der Soldatin) wäre nicht erforderlich. Auf das Gesetz selbst könnte verzichtet werden. Wo doch der Alltag die Normen setzt. Die Uniformität ist nicht nur äußerlich. „Weh dem, der aus der Reihe tanzt“ ist das Motto. Es könnte über jedem Kasernentor stehen. Als Motto für die Emanzipation eignet es sich nicht gerade.

Als Soldat und als Soldatin ist nur zu gebrauchen, der bereit ist, anderen Menschen schwerstes Leid zuzufügen. Darum werden Menschen in Bestien verwandelt. Wer zur Bestie erzogen wird, muß sich der Bestialität aussetzen. Wie das ist, wenn Männer zu Idioten gemacht werden, weiß jeder, der schon mal besoffene Soldaten erlebt hat. Und darum setzt jeder vernünftige Mensch alles daran, irgendwie um den Barras herumzukommen.

Es geht bei der Auseinandersetzung um die Frage Frau und Bundeswehr gar nicht darum, ob Frauen geeignet sind, mit Waffen umzugehen. Würde man danach fragen, wäre die Antwort klar: Ja. Es gibt wohl kaum eine Tätigkeit, die nicht ebenso gut von einer Frau wie von einem Mann ausgeübt werden könnte. Aber sollte sie es auch? Natürlich könnte auch eine Frau einem in einem unfairen Prozeß unschuldig verurteilten Schwarzen in einem Texaner Gefängnis die Todesspritze setzen. Aber sollte man nicht lieber gegen die Todesstrafe sein? Schon um der Emanzipation willen? Ich bin sehr für Gleichstellung. Aber ich bin auch für Emanzipation. Wenn beides nun mal nicht zusammenpaßt, entscheide ich mich für die Emanzipation.

Frauen haben gekämpft, in der Roten Armee gegen Hitler, beim Vietcong gegen den Imperialismus. Sie wußten allerdings, wofür sie kämpften. Das wissen die Gleichstellungspolitikerinnen von heute nicht. Sie meinen, darauf käme es auch gar nicht an.

Die Frage, ob für diese Frauenbewegung, die auf dem Kasernenhof ihr Ziel erreicht, Emanzipation jemals ein mit Inhalt gefüllter Begriff oder nur eine inhaltsleere Parole war, drängt sich nicht erst jetzt auf, wo Frauen in Uniformen gesteckt werden. Der Kasernenhof war stets Inbegriff eines Zustandes, in dem der Mensch nichts gilt.

Emanzipation ist unter Verhältnissen, in denen ein Staat seine Bürger auf dem Kasernenhof erzieht, nicht möglich. Emanzipation will nicht gehorchen und nicht befehlen. Sie wird wirklich in der Überwindung herrschender Zustände (was nicht heißt: danach). Wem das zu kompliziert ist, wer über die gegebenen Verhältnisse nicht hinausdenkt, für den heißt das Kommando: Stillgestanden! So oder so.