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Ausgewählte Beiträge aus dem Satire-Magazin DER METZGER


Erika Birth:

Als Untermieterin...


(DER METZGER 75 - November 2005)


...hat man es wirklich nicht leicht. Seit längerer Zeit schon wohne ich zur Untermiete, und zwar bei einem alten Jugendfreund. Er half mir damals wirklich aus der Bredouille, als er mich aufnahm.

Seitdem habe ich schlaflose Nächte.

Aber im großen und ganzen bin ich zufrieden mit dem Mietverhältnis. Das Zimmer ist hell und freundlich, klein zwar, reicht aber aus für meine Bedürfnisse. Es macht mir nichts aus, das Bad mit noch jemand zu teilen. Und weil die Miete nicht hoch ist, fühle ich mich recht wohl hier.

Mein unmittelbarer Vermieter (ja, genau der!), Gegenstand meiner schlaflosen Nächte und Hauptfigur meiner unendlichen Geschichten, ist mir seit langem vertraut und immer noch sehr sympathisch. Er hat allerdings so seine Macken.

Z.B. breitet er feuchte Geschirrtücher nicht aus, sondern läßt sie zusammengeknüllt herumliegen. Auch wenn er kocht ist die Küche nicht wiederzuerkennen. Man kömmt kaum rein ohne sich den Kopf an offenstehenden Schranktüren zu stoßen oder auf Kartoffelschalen auszurutschen. Merke: Wenn Sie sich einen Tee oder dergleichen zubereiten wollen, müssen Sie vorher erst aufräumen, um ein Plätzchen für Tasse und Kochtopf zu finden, falls nicht alle vorhandenen im Gebrauch. Von der gemeinsamen Benutzung des Badezimmers gar nicht zu reden!

All solche Kleinigkeiten kann man ertragen – mit etwas Nachsicht für so ein‘ Schrat, der sein Chaos noch für Ordnung hält, und es auch vehement verteidigt: „Fummel mir nicht dazwischen! Das muß so sein! Das war immer so.“ Donner, donner.

Daraufhin fällt mir dann meistens nichts mehr ein, nur meine Tür ins Schloß. Und: Schließlich habe ich auch so manche Unarten.


Aber manchmal, manchmal reitet mich der Teufel. Dann bin ich so böse auf ihn, daß ich gern gemein werde. Sein Liebesleben nämlich ist mindestens genauso chaotisch wie seine Küche und sein Arbeitszimmer.

Seit ich bei ihm wohne, hat er allerdings orntlich Schwierigkeiten damit, denn endlich ist eine wie ich da, die aufpaßt, daß er nich blind in sein Unglück rennt. Glauben Sie mir, er braucht dat. Im Moment sieht er das zwar nicht ein, ist hinterher jedoch meistens froh und dankbar, daß ich so gut achtgebe auf ihn. Natürlich würde er das jetzt energisch bestreiten. Ich weiß es aber besser, und trötzdem. Und überhaupt. Keine hat mehr eine Chance, denn ich denke mir immer was aus, um ihn und seine jeweilige Sie zu stören. Denn ich habe ein ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein. Ehrlich.

Nicht, daß ich mich immer einmische. Nur dann, wenn sie mir unsympathisch ist (das ist fast jede). Will heißen, wenn sie nach dem zweiten Rendezvous immer noch für ihn existiert. Um die, die nach einer Nacht nicht wiederkommen, kümmere ich mich erst gar nicht. Die solln ruhig ihren Spaß haben. Aber wenns zu weit geht und zu zweit geht, dann geht's zu weit.

Meistens ergreifen sie nach meiner Intervention die Flucht und sind mir hinterher noch dankbar dafür. Ich habe schon viele Dankesbriefe für vermeintliche „Rettungen“ von meinen Geschlechtsgenossinnen erhalten. (Nein, stimmt nich, dat war gelogen).

Ähem.

Aber es müßte so sein. Denn sie haben ihn alle wirklich nicht verdient.

Wenn eine anruft für ihn, die ich nicht leiden kann, sage ich einfach: „Tut mir leid, er ist augenblicklich nicht da.“ (Wäre ja noch schöner, wenn ausgerechnet die ihn beim Vormittagsschlaf stört). Eine Steigerung davon ist, daß ich ihr mitteile, er ist bei der Sowieso oder sie bei ihm, und eine solch zarte Liebe möcht ich nicht störn. Wenn es gut geht, begegnet sie ihm beim nächsten Treffen ziemlich verschnupft, während er gar nicht versteht, was mit ihr los ist, und sich auch keiner Schuld bewußt ist. Bin ich sehr erfolgreich, habe ich ja mit ihr im Vertrauen gesprochen, aus Solidarität sozusagen, um ihr die Augen zu öffnen. Wir Frauen müssen schließlich zusammenhalten.

Und natürlich glauben sie alle mir viel mehr als ihm – vorausgesetzt, man stellt es richtig an. Oft ist es nicht leicht. Je nach Grad und Stärke ihres Widerstandes und ihrer Gefährlichkeit muß man verschiedene Waffen im Repertoire haben. Auf den jeweiligen Fall eingehen und die Situation, das ist das Geheimnis vons allem, sönst gibt dat nix.

Es kömmt also vor, daß ich richtig gemein werden muß, was mir gar nicht gefällt. So etwas liegt mir nicht, und Intrigen schon gar nicht. Ich bin schließlich keine Spielverderberin. Aber was soll ich machen? Wenn diejenige welche einfach unbelehrbar ist und hartnäckig? Von seinen schönen Künstlerlocken betört? Der muß man doch helfen!


Letztens hatte er wieder so eine, in die war er ziemlich verknallt. Er hat sie richtig angehimmelt. Mir wurde ganz schlecht. Atemberaubend schön war sie, das gebe ich zu. Und auch noch elegant. Hatte einen umwerfenden Geschmack und Stil, dafür auch genug Geld. Bestätigte mir aber das abgedroschene Vorurteil: Sie war gleichzeitig doof!

Er hatte sie zum Essen eingeladen. Das allein war für mich schon Grund genug, ihr den Weg in die Freiheit zu ebnen.

Was meinen Sie, wie die Küche aussah? Ich konnte nicht mal meine Miracoli kochen. Ich wollte doch wegen der nicht verhungern!

Tage vorher mußte ich mir schon ansehen, wie er alles plante (von wegen Kocherei). Am Telefon sprach er mit ihr darüber. Und ein Geturtel und Gesäusel! Mein Schrat war nicht wiederzuerkennen. Sein letztes Haushaltsgeld hatte er zusammengekratzt, bloß um ihr einen schönen Abend zu machen (hat er für mich noch nie gemacht). Er hatte (stellen Sie sich das vor!) sogar das Bett frisch bezogen (was er ebenfalls für mich noch nie gemacht hat). Jedenfalls war er ganz verrückt nach ihr, merkte es selber aber durchaus nicht und hätte es empört von sich gewiesen, hätte ich vernünftig mit ihm darüber sprechen wollen. In dem Zustand war es allerdings unmöglich, mit ihm zu sprechen.

Ehrlich – es war übertrieben, was er wegen ihr aufführte. Ich wurde immer ärgerlicher und beschloß endlich, an dem Tag dafür zu sorgen, daß alles schiefgeht: „So leid es mir tut, mein lieber H.“, sagte ich mir, „aber du zwingst mich dazu.“

Also habe ich mich überwunden. Es kostete mich wirklich Kraft, wie Sie sich denken können: Sein Essen ist ihm verbrannt, weil ich die Platte wieder raufgestellt hatte. Ganz aus Versehen habe ich nachmittags auch noch die Flasche Wein vom Schrank gestoßen. (Die stand aber auch so unglücklich auf der Kante, die wollte einen Schubs kriegen). Die Flasche. Ja. Die auch.

Der Schrat wurde allmählich reichlich nervös, hat mich auch einmal ganz ohne Grund wegen meiner Pinsel neben dem Telefon angeschrien, obwohl die ja nur zum Trocknen da lagen: „Muß dein Zeug hier überall rumliegen?!“

Dieser Ordnungsfimmel plötzlich war mir wirklich neu. Ich begriff sofort die Gefährlichkeit der Situation, oder besser: die Gefahr im Verzug. Ich dachte: Er ist im fortgeschrittenen Stadium“ und blieb stille, räumte meine Pinsel weg. Schließlich wollte ich sein Rendezvous nicht verderben.

Er hat es doch mit erheblichem Energieaufwand geschafft, noch so einiges zusammenzubringen für ein schönes Essen, um den Abend zu retten. Alle beide saßen also auf seinem Zimmer, in zärtlichem Techtelmechtel – und ich auf meinem. Immer wieder hatte ich signalisiert, wie sehr es mich verletzt, daß ich mich vernachlässigt fühle, er war so berauscht und hat es nicht gemerkt.

„Strafe muß sein“ sagte ich laut vor mich hin, nervös mit den Fingern auf die Schreibtischkante trommelnd.

Ganz plötzlich, im friedlichsten Mondenschein, ging die dezente Beleuchtung aus, und der Plattenspieler schwieg still. Auch die Kaffeemaschine zum Nachtisch stellte ihre Tätigkeit ein.

Mit gespitzten Ohren hörte ich ihn nebenan herumkraschpeln und nach Kerzen suchen. Einen Augenblick später klopfte es an meine Tür. (Denn er weiß: Kerzen habe ich immer).

Ich zeigte mich hilfsbereit, gab ihm eine, und: „Ich verstehe gar nicht, was plötzlich los ist.“

Gottseidank wußte er zu dem Zeitpunkt noch nicht, daß der Toaster all diese Schwierigkeiten verursacht, und den hatte ich kurz vorher angestellt. (Bloß für mein Abendbrot).

Helmut Loeven begab sich also mißmutig mit einer Kerze in der Hand in den Keller, nach den Sicherungen zu sehen. Auch unsicher, denn sowas ist immer peinlich, gerade dann, wenn man solch einen Besuch hat. Währenddessen habe sich besagten Besuch in Augenschein genommen.

Sie war mir natürlich total! total unsympathisch. Überhaupt nichts für ihn!

Aber, fies wie ich bin, blieb ich freundlich. Das sei schon mal passiert, sagte ich, gerade gestern, als er seine „Brigitte“ bei sich hatte. Oder war es „Roswitha“? Ich weiß nicht mehr, man kann sich nicht alles merken. Es geht ja hier zu wie in einem Taubenschlag. Ich verstehe nicht, was mit dem Strom los ist. Bestimmt ist ein Gerät defekt.

Sie blieb tapfer, auch nicht dumm, das muß ich sagen. Sie hustete mal beleidigt. Es hat mich alles in allem viel Kraft gekostet, sie in die Wüste zu schicken, sie zu verjagen, das war nicht einfach, verstehen Sie? Meine gesamte Phantasie war gefordert. Ihre albernen Reaktionen allerdings – sie benutzte so Worte wie „geil“ und „cool“ und „echt super“ – haben mich dann doch bestätigt, daß die nun wirklich nicht die Richtige ist für ihn.

Es fing nun erst recht an, mich zu jucken, darum zählte ich alle seine schlechten Gewohnheiten auf: „Er ist ein lieber Kerl, aber leider...“ Er wäscht nur alle Vierteljahr die Haare. Und dann die Finernägel! Uuh! Und erst die Fußnägel! Er benutzt dauernd meine Bürste für seine Lockenpracht, weil er seine nicht findet, was nicht schlimm ist, aber er säubert sie nicht hinterher. Und erst die Geschirrtücher! Staubwischen tut er nie, Socken wechseln auch nicht, nur auf meinen ausdrücklichen Befehl.

Ich versichere Ihnen, ich habe das Blaue und Grüne und Gelbe und mehr vom Himmel gelogen noch mehr, noch mehr! Das war echte Spitzenleistung von mir!

Ein lieber Schatz sei er, aber man müsse manches in Kauf nehmen. Ach und ich sei ja nicht blind, was ihn betrifft, sondern als Untermieterin schon recht gut informiert. Und wenn man mich frage: Um Gottes Willen nicht Helmut Loeven!

Auf diese Art habe ich sie bequatscht. Sie sah mich teils erschrocken, teils zweifelnd an, sah sich im Zimmer um, welches er just in diesem Augenblick betrat. Das Licht war inzwischen angegangen, die Kaffeemaschine brodelte. Nun ja, ich habe mich höflich verabschiedet und ließ die beiden, rücksichtsvoll wie ich bin, allein zurück. Schließlich weiß ich, was sich gehört.

Sie hat sich bald verabschiedet. Als er anfing, hatte sie es plötzlich noch eiliger, wollte auch nicht über Nacht bleiben.

Kurz darauf betrat er kopfschüttelnd mein Zimmer. Ich fragte ihn: „Wieso ist sie schon weg? Hat ihr dein Essen nicht geschmeckt? Oder hat ihr etwas anderes nicht gefallen?

„Ich weiß nicht“, entgegnete er ratlos. „Sie ist so verändert. Dabei lief es doch eigentlich richtig gut.“ Dabei sah er mir sehr mißtrauisch in die Augen. Mir wurde ganz anders.

„Ach ja, mein lieber Helmut, manche sind so wechselhaft wie das Wetter. Sie machen im letzten Augenblick noch einen Rückzieher, da hilft der gesammeltste Charme nichts.“ So versuchte ich zu trösten. Und schadenfroh stürzte ich mich auf den Abwasch. „Aber du hast ja noch mich. Ich bin gar nicht wechselhaft, weißt du.“

„Ja“, entgegnete er mir und sag noch viel mißtrauischer aus. „Sicher, dich habe ich in jedem Fall.“

Ich konnte seinen Augen ansehen, daß er nicht wußte, soll er sich nun freuen oder sich ärgern darüber. Als ich ihm dann ein Küßchen gab und begeistert anfing, aufzuräumen, wurden seine Augen noch schmaler.


Sehen Sie, so schaffe ich es immer wieder, sie in die Flucht zu schlagen, alle, die ich nicht dulden kann. Ich habe sogar noch viel fiesere Waffen in meinem Gift-Reservoir, nämlich, daß seine Gedichte doch fotokopiert sind, die reinsten Formbriefe. Das erzähle ich vorzugsweise denen, die vor lauter Luxus und Langeweile nicht mit sich fertig werden und obendrein noch alle Extravaganzen vom Papa bezahlt kriegen. Für die ist er ein Exot, ein armer Poet, „weil es ja so romantisch ist“. Und die, welche unbedingt gedruckt werden wollen, denen erzähl ich sowas auch. Und mein Schrat, dieser Idiot, kriegt das nich mit.

Natürlich nehme ich auch in Kauf, daß er das merkt, was ich wieder angestellt habe. Dann verhaut er mich. Es gibt richtig Popoklatsch, aber diesmal ernsthaft. Das ist mir lieber als wenn er mich übersieht. Und meistens – hinterher – ist er gar nicht mehr böse und nimmt mich auf den Schoß und sagt ernsthaft und gleichzeitig seufzend:

„Du bist eine ganz schreckliche Frau! Weißt du das? Aber ich habe mich an dich gewöhnt. Ich brauche dich einfach. Die letzte war sowieso nicht in Ordnung, die wollte bloß gedruckt werden, aus so exzentrischen Prestigegründen. – Trotzdem geht das so nicht weiter!!!“ Er haut feste drauf. Ich bemühe mich, nicht laut zu schreien. Ich ertrage es, ich habe es ja – eigentlich – doch verdient.

„Ich brauche meine Freiheit. Es geht einfach nicht, daß du so hinterhältig und gemein bist. Versprich mir, es nicht wieder zu tun! Schließlich bist du meine Untermieterin. Es war doch ausgemacht, daß wir eine Beziehung nicht wollen. Oder?“

„Nein! Das will ich auch nicht. Eine Beziehung kömmt gar nicht in Frage!“ bestätige ich ihm ernsthaft. „Mit einem Mann könnte ich niemals mehr leben. Das weißt du doch, ich verliere mich so leicht darin, ich verändere mich zu sehr, gerate in emotionale Abhängigkeit! Dann entwickle ich Seiten, an die ich im Traum nicht gedacht habe!“ (Das stimmt wirklich!).

Jedes Mal also verspreche ich ihm hoch und heilig, mich nicht mehr in seine Frauengeschichten zu mischen. Und: „Darf ich heute Nacht bei dir auf der Couch schlafen?“

Sie ist eine Katze. Eine richtige Katze, denkt er, nimmt mich ergeben in den Arm und antwortet: „Ja. Aber da ist gar kein Platz. Ich muß erst noch abräumen.“

Im stillen denkt er: „Ich muß wirklich lernen, ihr gegenüber öfter nein zu sagen. Schließlich ist sie nur meine Untermieterin. Wenn ich nicht aufpasse, haben wir hier das innigste Zusammenleben. Das ist für sie nicht gut, und für mich auch nicht. – Es geht ja jetzt schon los mit ihrer Eifersucht. – Aber: Ist es nicht auch ein Beweis, wie gern sie mich hat?“ So nimmt er mich selber in Schutz vor sich selbst. „Bring deine Decke mit, es wird kalt. Die Heizung ist noch ausgestellt.“


Neuerdings ist es auch vorgekommen, daß er eine bei sich im Laden hatte. Vor allem abends, wie ich herausbekommen habe. Denn um meiner Observation zu entgehen, auch, weil er mich „nicht unnötig belasten“ will, trifft er seine „Verabredungen“ im Laden. Anfangs dachte ich, er hat dort so viel zu tun. Bis ich ihn einmal am Telefon hörte: „Es ist viel einfacher, wenn du mich im Geschäft besuchst. Dann sind wir ungestört.“

Natürlich mußte ich für diese veränderte Situation neue Methoden erfinden. (Ich kann Ihnen sagen, es ist nicht einfach mit diesem Mann. Ich habe keine Minute Langeweile mit ihm. Er hält mich so richtich in Atem).

Deshalb machte ich an besagtem Abend mich noch fertig für einen Spaziergang. Weil das gesund ist vor dem Schlafengehen. Und zufällig, ganz zufällig kam ich an seim Geschäft vorbei. Da war noch Licht, und was soll ich Ihnen sagen? Er hatte doch wahrhaftig um gottswillen ein Mädchen auf dem Schoß wie sönst mich!

Sofort habe ich angeklopft. Das war ihm furchtbar peinlich. Ich fragte auch gleich, wann er endlich nach Hause kömmt, ob er mich noch länger warten lassen wolle. Ob er unsre Verabredung vergessen hätte, ob er sich immer mit 2 Frauen gleichzeitig verabredet, ich sei schon im Eschhaus gewesen: „Allein!“ Ob das die wäre, von der er erzählt hätte, die solche Schwierigkeiten macht.

Usw. usw. Ich redete wie ein Wasserfall, ich war wirklich unverschämt. Es fing an, mir richtig Spaß zu machen, ihn in Verlegenheit zu bringen. Ich drehte mich richtig auf, ich behandelte sie ganz sadistisch wie Luft, so, als sei sie gar nicht da. Denn schließlich – sie war ziemlich aufgedonnert, solche ham dat nich anders verdient.

Was ich alles daherquasselte, weiß ich nicht mehr. Sie wurde jedenfalls beleidigter und beleidigter und verschwand dann recht schnell.


Seitdem ist er verzweifelt bemüht, eine Strategie zu entwickeln, um sich zu wehren. Ich habe auch mitgekriegt, daß er sie damit konfrontiert, daß er eine Untermieterin hat, die aber leider „sehr neugierig“ ist. Er habe es nicht leicht mit ihr, aber er bringt es nich übers Herz, sie „rauszuschmeißen“: „Was soll sie denn ohne mich machen?“ Ungeachtet aller erschrockenen Mienen, die er hervorruft mit seiner Mitteilung, bereitet er jeden darauf vor: „Ich habe eine Untermieterin.“

Seitdem die Situation sich also so zugespitzt hat, habe ich mir angewöhnt, manchmal meinen Slip so unmißverständlich in seinem Zimmer zu plazieren, daß es immer riskanter und schwieriger und verfänglicher für ihn wird, Kontakt aufzunehmen zu denen, die ihn erotisch doch anziehen, in die er sich regelrecht verknallt.

Es hat sich schon herumgesprochen. Die meisten gehen har nicht mehr auf seine Angebote ein und ihm aus dem Weg, wie ich schadenfroh feststelle. Seitdem ich in seinem Stalle existiere, haben wir Ruhe!

Ab und zu zur Rede gestellt, antworte ich ihm: „Siehst du, lieber Helmut, eigentlich kannst du doch glücklich sein, daß ich so eine zuverlässige Untermieterin bin, die auf dich aufpaßt, daß du nicht irgendeiner Frau in die Hände fällst, die dir nur nach dem Mund redet.“

Oder auch: „Du kannst dich doch glücklich schätzen, daß wir nich verheiratet sind. Eine Frau wie ich täte dich dauernd daran erinnern: Ich bin auch noch da!“

Damit ging ich zu weit. Es war zuviel.

Allerdings bin ich glücklich darüber!“ drehte er mich sicher und rigoros, gekonnt um, über seine Knie, kümmerte sich kein bißchen um meinen verzweifelten Widerstand und versohlte mir den Hintern! Mit fester Hand und richtig geübt, und naja, es tat tüchtig weh! Klatsch! Klatsch! Klatsch! und so. Dann: Hose runter, ruckzuck, und auf den Nackten: Klatsch! Klatsch! Klatsch! Klatsch!

Und wie du da bist! Immerzu machst du mir Schwierigkeiten!“ Klatsch! „Würdest du mir nicht fehlen, ich täte dich sofort auf den Mond schicken!“ Klatsch! Klatsch! Klatsch!

(Dat mit dem Schrank muß ich Ihnen ein anderes Mal erzählen).


Oft bleibt mir nichts andres übrig, als meine „Kopfschmerzen“ einzusetzen, damit er sich um mich kümmert. Und sie sitzen läßt. Dann klopfe ich bei ihm an und sage ihm: „Ich vergehe vor Kopfschmerzen. Hast du eine Tablette?“

Voller Mitgefühl entschuldigt er sich dann bei seinem Besuch, sucht nach Tabletten, drückt ihr ein Buch in die Hand: „Ich bin gleich wieder da.“ Denn inzwischen hat er gelernt, wie schlimm meine Kopfschmerzen werden können. Und auch noch Fieber? Nein. Dagegen muß was unternommen werden. Es dauert eine Weile, bis er wieder kommt und sich zu mir setzt, mir eine Tablette gibt und mich streichelt, weil ich es doch so dringend jetzt brauche, daß er bei mir ist.

Währeddessen unterhält er sich ein bißchen mit ihr, bis sie schließlich merkt, daß sie überflüssig ist, und geht. Wiederkommen tut meistens keine von ihnen, denn:

Er hat da so eine verrückte Untermieterin, die kriegt manchmal Kopfschmerzen, wenn wir verabredet sind. Dann läßt er mich einfach links liegen! Rennt zur Apotheke und nimmt sie anschließend an die Brust wie eine Mutter ihr Kind. Also, wenn du mich fragst, hat sie ihn ganz schön im Griff. – Nein danke!“